32. Sommernachtslauf Bellheim

01. August 2015. Ein wunderschöner Sommerabend in Bellheim. Dieses mal war es nicht wie vor 1 Jahr, extrem schwül und heiß. Auch nicht wie vor 2 Jahren, wo es geregnet hatte. Optimale Temperaturen. Natürlich muss man trotzdem mit ca. 25 Grad zurecht kommen. Dafür war es diese mal relativ windig.

In Vorbereitung auf einen ca. 6km in Berlin beim Finale des B2Run habe ich mich durch die letzten Trainingsleistungen entschlossen vor 1 Woche, doch den Bellheimer Sommernachtslauf mit zu machen. Unter der Woche habe ich noch John dazu gebracht auch zu starten. Nach dem Warmlaufen sind wir dann an die Startlinie. Dort hat man natürlich alles was hier in der Vorderpfalz bekannt ist gesehen. Vorjahressieger Hans Jörg Dörr, Andreas Flörchinger, Oliver Trauth um nur einige zu nennen. In weiser Voraussicht nicht wie letztes Jahr mich über die letzten 10km zu quälen, habe ich mich von Anfang an zurück gehalten. Vom Start weg sind dieses Jahr viele weg gesprintet. Neu war, das es auch einen 10km Lauf gab. Allerdings ist die Masse der Läufer über die volle Distanz gestartet. Ja klassische 25km gibt es nur noch ganz wenige Läufe. Aber sie werden offiziell in den Bestenlisten geführt. Mir war klar ich muss mich dieses mal an die Erfahrenen halten. Daher bin ich mit Respekt die Strecke angegangen und habe immer schön ca. 50 Meter Abstand zum Vorjahressieger und Oliver Trauth gehalten. John ist die ersten Kilometer direkt bei mir etwas hinter mir gelaufen. Eigentlich wollte er um die 4:00 min/km laufen. Doch ich glaube auch er ist ca. 3:55 bis 3:50 gelaufen. Meine Pace von ca. 3:40 bis 3:45 war da nur unwesentlich schneller und so blieben wir auch die ersten 5km zusammen. Immer schön in Kontakt. Doch als es aus Bellheim rausgehen sollte, viel plötzlich die Pace in der Gruppe wo ich mich aufhielt. Oliver Trauth, der Tanja Griesbaum an seiner Seite hatte, wurden spürbar langsamer und ich musste jetzt schnell entscheiden, ob ich auch langsamer mache oder das Tempo was sich sehr gut anfühlte weiter laufe. Mit Andreas Flörchinger im Rücken haben wir das Tempo gehalten und haben uns dann schnell um 10 bis 20 Meter abgesetzt. Hans Jörg Dörr war zu diesem Zeitpunkt bereits ca. 70 Meter vor uns und an einigen stellen bereits enteilt, da durch die Straßen und Kurven in Bellheim man keine weite Sicht hatte. Als es dann Bellheim raus Richtung Westheim ging konnte man den Abstand gut einschätzen. Hans Jörg Dörr hatte ca. 100 Meter Vorsprung. Vor ihm vermutlich einige 10km Läufer und Staffelläufer.

Dann kam der Wendepunkt und einige Bogen für die 10km Strecke ab und liefen Richtung Bellheim wieder zurück. Dort habe ich dann auch den schwarzen Läufer wieder gesehen, welchen wir noch am Start entdeckt hatten und wir dachten, dass ist garantiert ein schneller. 🙂 Er hat die 10km später gewonnen. Die Lange gerade zwischen Bellheim und Westheim zieht sich ganz schön, doch gerade hier schwächelten viele bereits schön. Ich konnte so auf einen Staffelläufer und Triathlon Kollegen vom TV Forst auflaufen. Er kam direkt aus dem Training heraus und hatte anscheinend zum ende hin starke Probleme. Nachdem man hier gut überblicken konnte, wer Staffelläufer war und wer ein Team hatte, sah es für mich aus, dass die beiden Läufer ca. 400 Meter vor uns und 300m vor Hans Jörg Dörr auch Staffelläufer waren. In der kleinen Senke kurz vor Westheim merkte ich zum ersten mal den Kontakt mit Hans Jörg. Auf den langen Geraden habe ich mich anscheinen an ihn herausgeschobenen und war in der Senke nur noch ca. 30 Meter hinter ihm. Die Senke konnte ich dann sogar nutzen um am Ortseingang in Westheim auf Hans Jörg Dörr aufzuschließen. Die Frage ist immer, übernimmt man sich, ist man selber schneller geworden oder die anderen einfach nur langsamer. Das sind immer Entscheidungen, welche über den weiteren Rennverlauf entscheidend seien können. Ich habe mich für das direkt überholen und weiter das Tempo halten entschieden. Da mir Hans Jörg Dörr doch bereits leicht angeschlagen vorkam.

In Westheim ging es dann links ab aufs Feld hinaus. Dort hatten wir richtig miesen Gegenwind. Ich kann nicht sagen Warum, aber im Wettkampf kann ich das überhaupt nicht ab. Im Training Motiviert mich dass eher meistens und ich liege dann mehr in der Vorlage und somit wird das Tempo meist sogar schneller. Aber im Wettkampf geht das warum auch immer nicht. Ich fange dann an innerlich mit mir und dem Wind zu kämpfen. Fragen zu stellen, warum der ausgerechnet jetzt da sein muss und wie sich andere Läufer fühlen. Irgendwie quäle ich mich dann immer. Das Tempo viel auf 3:50 bis 3:55 min/km und mein Vorsprung zu Michael Ohler (TSV Kandel) und Hans Jörg Dörr schrumpfte wieder. Dabei waren wir gerade erst bei Kilometer 17. Ab da wurde es richtig hart. Ich quälte mich und durch Zeiskam und spürte bereits Michael Ohler, der immer näher kam. Er hat die richtige Ausdauer. In New York bereits schon im Marathon und auch durch seine Vorbereitung auf einen 170km Lauf im Mont Blanc Massiv. Bei der Halbmarathonmarke hatte mich Michael geholt, und irgend wie wollte er nicht so richtig vorbei. Wäre er direkt vorbeigezogen, hätte ich vermutlich keinen Widerstand geleistet und hätte auf eine Schwäche von ihm gewartet bzw. vielleicht einen letzten Aufschwung bei mir. Doch so zogen wir uns beide. Mental wurde es für mich zum richtigen Fight gegen meinen Körper, der eigentlich bereits bei Kilometer 21 Rebellierte. Jetzt war alles voll am Anschlag, mehr geht nicht. Doch trotzdem findet man irgend wo noch etwas Energie und kann sich nochmal 100m fest beißen. So zieht man sich Meter um Meter immer weiter. Kurz vor Bellheim war ich so fertig, dass ich überlegte Michael ziehen zu lassen. Doch der innere Schweinehund hat gesiegt.

Ich habe mir gesagt, du bist auf Platz 1 hier. Vor dir waren nur Duett Läufer. Hans Jörg Dörr (Vorjahressieger) war auch hinter mir und etwas weiter weg. Es ging hier also um Ruhm oder Schmach. Wobei es keine Schmach ist, gegen einen so gut aufgelegten Michael Ohler zu verlieren. Er hat sein Tempo von 3:45 von Anfang an konstant durchgezogen. Am Start standen wir noch zusammen und er sagte noch zu mir er will so 3:45 min/km laufen. Wahnsinn wie er das durchzieht wie ein Uhrwerk. Sein Vorhaben in den Alpen wird er sicherlich mit gleicher Präzision schaffen. Ich bin gespannt. Naja und es waren noch ca. 1,3 km bis zum Ziel. Ich wusste es wird mega schwer. Auch wenn ich der schnellere Sprinter sein mag, so wollte ich mich Angesicht meiner extrem schwindenden Kräfte auf keinen Sprint einlassen. Vielleicht hätte ich diesen sogar an diesem Tag verloren. So habe ich versucht nochmal das Tempo anzuheben. einige Male konnte ich 2 bis 3 Meter zwischen Michael und mich bringen, aber dann merkte ich wie ich selber schwächer  wurde und Michael auch direkt wieder da war. Bis 300m vor dem Ziel waren wir dann noch zusammen, und es war mein letzter Vorstoß bevor es dann erst nach der letzten Kurve nochmal zum Finalen Zielsprint kommt. Genau zu diesem Zeitpunkt feuert Michael mich an und meint. "Lauf das ding durch, zieh es, mach es" Da wusste ich, ich muss nur noch 100% und nicht mehr 110% geben. Aber schwächeln durfte ich auch nicht, da von hinten noch ein Läufer kam, dem sich auch Michael erwähren musste. Es hat dann noch ganz knapp gereicht. doch durch das abrupte anhalten und die letzten 4km im "Death Mode" musste ich mich direkt hinlegen und den Rasen erstmal etwas Nährstoffe beiführen. 🙂

Aber es ging mir gut. Ich brauchte einfach nur 1 Minuten, damit der Magen sich entkrampfte. Überglücklich lag ich da, konnte aber noch nicht so richtig genießen. Als ich dann zu Larissa gekommen bin, hatte Sie mir gesagt, dass ich vermutlich 3ter bin. Irgendwie war es keine Enttäuschung für mich, auch wenn ich im Lauf zeitweise gedacht hatte, dass ich führe. Ich freute mich über das gute Ergebnis und meine Leistung.

Alle Ergebnisse bekommt ihr hier.

Den Zeitungsbericht aus der Rheinpfalz findet ihr hier.

Es war ein echt super Abends, der dann anschließend wie jedes Jahr auf dem Weinfest in Nussdorf ausgeklungen wird. die Siegerzeit von 1:25:32h ist schon super und wann hat man mal die Ehre gegen einen Kenianer zu verlieren. An Carsten Herrmann wäre mit dem aktuellen Trainingsstand über die Strecke auch nicht heranzukommen. Eine 1:31:14h ist auch eine super Zeit und hätte letztes Jahr in Berlin sogar den 3 Platz bei den Amateuren bedeutet.

Ich wünsche allen Sportler viel Spass beim weiteren trainieren.